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07.10.2020

avant-verlag

Grönland Odyssee

Grönland Odyssee

Hier liegt eine weit umspannende Erzählung über eine Gruppe von Männern in kalter, unwirtlicher Umgebung vor, unterteilt in mehrere Abschnitte.

Geschichtchen, wie z.B. die von zwei Typen im tiefen Winter von Grönland, die dunkle Nächte und Tage abgeschnitten von der zivilisierten Welt überstehen müssen. Der jüngere hadert, weil ihm eine Frau fehlt, der ältere, weil der Schnaps zu Ende geht. Oder die Story vom Hahn Alexander, der vom Besitzer wie ein Haustier gehalten und mit auf die Jagd genommen wird. Amüsant ist auch die Story von einem ins Land gekommenen Tätowierer, der schlussendlich mit seiner Kunst ganz schön absahnt. Ebenso die Episode von dem Leutnant, der unverhofft auftaucht und die Männer militärisch trimmen möchte; da ist der Soldat aber an die Falschen geraten.

In insgesamt 14 Kapiteln sind derartige Begebenheiten zu lesen. Sie sind lose miteinander verbunden und erzählen seltsame Ereignisse, immer mit Humor und Sarkasmus gewürzt. Meistens sind sie pointiert oder zumindest mit einem überraschenden, auch makaberen  Ausgang. Die Charaktere werden mit jedem Kapitel erweitert, ein Stamm an Protagonisten ist durchgängig in die Handlungen mit einbezogen. Die Hauptdarstellen offenbaren im Laufe der Handlung viel von ihren Marotten. Aber alle sind überaus liebenswerte Figuren in dieser menschelnden Saga in der Arktis. In der natürlich Eis, Schnee, Bären, Schiffe und karge Unterkünfte die passenden Hintergründe liefern. Es wird gefachsimpelt über (fehlende) Frauen, die Jagd, das Essen, die Welt dort draußen und über die eigenen kleinen Neurosen und Eitelkeiten. Jeder Protagonist hat eigenwillige Züge an sich, die unter anderem wohl den kargen Lebensumständen geschuldet sind. Trotzdem ist eine Lebenslust und -freude in jeder Episode zu sehen, die die Männer an den Tag (und die Nacht) legen! Sie lassen sich nicht unterkriegen, necken sich, nerven sich, streiten, pflegen bisweilen einen rabiaten Umgang miteinander; doch sie respektieren ebenso jeden in gewisser Weise und halten zusammen!

Die Figuren sind herrlich überzeichnet in ihrer Attitüde der Mimik und Körpersprache. Die gesamte Graphik ist in in ihrer schwarz-weiß Darstellung ebenso passend auf die teils dämmrigen Lichtverhältnisse in diesen Breitengraden ausgerichtet. Die Zeichnungen sind so knorrig wie die Geschichten und ihre Protagonisten. Der Autor Jorn Riel ist ein dänischer Schriftsteller, der viel auf Reisen war. Mir augenzwinkerndem Humor, Situationskomik und skurrilen Handlungsbögen lieferte er das Szenario für diesen wundervollen Band voller irrwitziger Storys. Er ist sehr unterhaltend, mit philosophischen Untertönen und auch mit  sentimentalen Facetten hervorragend geschrieben. Und trotz des Umfanges interessant und nie langweilig. Gleichgültig, ob die anekdotenreichen Begebenheiten realitätsnah sind oder arg übertrieben scheinen - sie sind spannend, erheiternd und auf jeden Fall sehr außergewöhnlich!

Grönland Odyssee

Text: Jorn Riel, Zeichnungen: Gwen de Bonneval, Hervé Tanquerelle
384 Seiten
avant verlag
39,00 Euro

Autor: Rolf Pressburger