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19.02.2018

Schreiber & Leser

Blüten, Koks und blaues Blut

Blüten, Koks und blaues Blut

Nestor Burma reist in diesem Krimi gen Cannes. Engagiert von einem Gutbetuchten, den er eigentlich schützen sollte. Doch der Klient Pierre de Fabreques ist schon tot, als der Detektiv ankommt. Er bekommt sein vereinbartes Honorar und soll den Fall als abgeschlossen betrachten.

An den offiziell ermittelten Selbstmord glaubt die Spürnase aber natürlich nicht.
Also treibt er sich auf eigene Faust an der Côte d'Azur rum und ermittelt wieder mal auf seine eigene schlaue Art, nicht nur in gesellschaftlich „Höheren Kreisen“.
Er macht Bekanntschaft mit dem ortsansässigen Kommissar, mit dem Bruder von Fabreques, mit einem alten Bekannten, gerade aus der Haft entlassen, zwei Tänzerinnen, die Pierre Fabreques gut kannten und kommt in Kontakt mit noch vielen weiteren im weiteren Umfeld seines Falles. Die Personen sind derer viele und die Spuren ebenfalls. Es werden weitere Tote aufgefunden. Die Zahl der Verdächtigen nimmt dafür aber keineswegs ab. Verzwickte Sache. Er lässt seine Sekretärin zur Unterstützung einfliegen. Schnüffelt hier und dort, schnoddert sich durch Bars, schwach beleuchtete Hinterhöfe, Villen und rauchige Etablissements. Mit Hilfe eines Bekannten kutschiert er die Gegend auf und ab, gönnt sich den einen oder anderen Schluck und testet aus, was seine Leber noch drauf hat! Doch auch sein Spürsinn ist in diesen Jahren kurz nach dem Krieg völlig in Ordnung. Er kommt der Sache näher und klärt sie in lakonischer Manier auf, noch kurz vor einem Mordanschlag auf ihn.

Mit nicht gerade wortkarger Handlung besticht dieser Comic wieder mit trockenem Humor, verwinkelter Story und komplizierter Auflösung (nicht für Burma, eher für den Leser). Die Protagonisten sind wie gehabt knorrig bis elegant und glatt, viele sind verdächtig. Das Ambiente, der Zeitgeschmack und die sonnendurchflutete Umgebung sind den Jahren entsprechend prima ausstaffiert. Burma ist cool (mit dunkler Brille), die er zeitweise nicht nur der Sonne wegen trägt und heiß darauf, seinem Ruf gerecht zu werden. Die Zeichnungen weisen den bekannten knolligen Stil auf, der teilweise wie skizziert aussieht. Farblich scheinen die Seiten ein wenig lichter und bunter zu sein und weniger düster, nicht nur in heller Umgebung im Freien.
Ein gediegener Krimi-Comic der althergebrachten Art, mit selbstironischem aber selbstbewussten Detektiv. Mit spannender Handlung und überraschender Auflösung!

Blüten, Koks und blaues Blut
Text und Zeichnungen: Emmanuel Moynot
74 Seiten
schreiber und leser
18,80 Euro

Autor: Rolf Pressburger