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01.10.2019

Schreiber & Leser

Djinn – Dritter Zyklus

Djinn – Dritter Zyklus

Mit diesem vier Alben umfassenden letzten Teil der Saga um Djinn im Indien zu Beginn des 20. Jahrhunderts findet diese außergewöhnliche Geschichte ein Ende!

Das englische Ehepaar Nelson ist zu Gast beim Maharadscha von Eschnapur. Er ist verlobt mit Tamila, der hübschen Tochter von Radscha Sing, einem Widerständler gegen die Briten. Vor der Hochzeit wird Jade, die Djinn, beauftragt, Tamila in der Liebeskunst auszubilden. Dazu gibt es extra einen Tempel der Lüste. Es geht das Gerücht um, Radscha Singh habe einen Spion in das Herrscherhaus geschleust. Zudem wandert die Mutter des Maharadschas täglich einen weiten Weg in den Dschungel zu einem geheimnisvollen Tempel, vor dem ein hagerer und schweigsamer Hindu sitzt, den sie devot um etwas bittet. Die Nelsons beobachten und belauschen das eines Tages heimlich; es war von einem Fluch die Rede. Radscha Singh gelingt es, seine Tochter unbeobachtet zu treffen. Zudem begegnet Jade des Nachts noch einem Kind mit einer alten Seele in ihrem jungen Körper, die sie eindringlich warnt … Rätselhafte Geschehnisse, die diesen Band eröffnen. Was passiert da, bzw. wohin führt das Ganze?
Jean Dufaux und Ana Miralles kreierten eine Story auf höchstem Niveau! Eine Saga, die kaum entsprechende Ähnlichkeiten zu irgendeinem anderen Comic hat. In der realen Welt Indiens zu Zeiten der britischen Kolonisation angesiedelt, doch auch mit Elementen der Fantasy ausgeschmückt und ohne eigentlichen Bruch in der historischen Geschichte damit erweitert. Hier ist die „Djinn“ zwar auch ein mystisches Wesen, verführerisch, klug und doch mit einer friedfertigen Mission. Sie ist Meisterin der Erotik, jedermann verfällt ihren Reizen und Künsten, egal welchen Geschlechts, sofern sie es darauf anlegt! Sie hat Macht und doch auch eine dem Menschlichen zugeneigte Moral.
Neben der wendungsreichen Geschichte besticht vor allem die visuelle Umsetzung. Die Szenen wechseln vom Palast zum Dschungel, von Sinnlichkeit auf dem Diwan zu kriegerischen Schlachten in sandigen Gebieten. Die Rebellion und der Aufstand der Bevölkerung liefert den historischen Hintergrund, in der auch ein gewisser Gandhi aufgeführt ist. Die Zeichnungen von Miralles sind wunderschön und auch sehr ansprechend koloriert, gemäß den kulturellen, rituellen und religiösen Verzierungen, Statuen, den bunten Bekleidungen und Ornamenten. Einziger Kritikpunkt dabei sind wohl die statischen Gesichter, die, zwar ästhetisch und realistisch, doch kaum oder sehr selten Regungen und Mimik ausdrücken. Die Legende der Djinn ist gespickt mit Geheimnissen, die bis in die heutige Zeit reichen. Sie scheint die Zeit überwinden zu können, ewig zu leben.
Alle drei Zyklen oder die dreizehn einzelnen Alben erzählen eine fast unglaubliche Geschichte über Generationen hinweg, die durch Kommentare der beiden Künstler näher erläutert wird. Sinnlich, exotisch, äußerst fantasievoll und sehr spannend eingebunden in tatsächliche historische Ereignisse!

Djinn – Dritter Zyklus
Text: Dufaux, Zeichnungen: Miralles
224 Seiten
Schreiber und Leser
32,80 Euro

Autor: Rolf Pressburger

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