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18.12.2020

Splitter

Schlange und Speer 1 - Schatten-Berg

Schlange und Speer 1 - Schatten-Berg

Nachdem er nach eigener Einschätzung das Universum seiner Serie Okko zur Genüge und in epischer Breite ausgeschöpft hat, wendete sich der Autor und Zeichner Hub, der auch die Wikingerserie Aslak kreierte, einer Welt im gegenüberliegenden Teil des Erdballs zu.

Der vorliegende Comic spielt im Aztekenreich des 15. Jahrhunderts, etliche Jahre vor Ankunft des Spaniers Cortés.

Immer wieder werden mumifizierte junge Menschen zufällig im ganzen Reich entdeckt, die einen Maiskolben in der halb verwesten Hand halten. Ihr Erscheinungsbild hat große Ähnlichkeit zu gewissen Opferriten, jedoch weisen sie auch auf andere Einflüsse hin. Die beiden Ermittler, jeweils getrennt beauftragt, dieses Rätsel zu lösen, sind seit Kindheit an miteinander verbunden und sehen sich so nach langer Zeit mal wieder. Die Recherchen führen durch das ganze Land, der einzigen Welt, wie die Azteken ihr Reich nennen. In Rückblenden erfährt der Leser mehr über die zwei Beauftragten. Während der eine eher als ein lauterer Sympathieträger eingeführt wird, scheint der andere schon ein wenig skrupelloser zu sein.

Es ist eine exotische Umgebung in den Gebieten der Ureinwohner des heutigen Mexiko. Die Menschen sind bunt ausstaffiert und die Tempel bzw. pyramidenartige Bauten beeindruckend. Es gibt viele grausam zu vollziehende Menschenopfer, um Götter zu besänftigen oder zu bestechen. Geheimnisvolle Stätten und Geschehnisse, gemischt mit Träumen und Visionen, zeigen eine in Teilen mystische Geschichte. Aber auch ganz alltägliche Situationen, (manchmal mit Humor angereichert), auf dem Markt, in der Verwandtschaft oder in Schulen sind Bestandteile dieser weit ausladenden Story. Es sind etliche Protagonisten unterwegs, die die Handlung verzweigen und noch rätselhaft in ihrem Zusammenhang erscheinen lassen.

Hub zeigt viel von der einstigen Hochkultur, sowohl was Bräuche und Gesellschaft anbelangt, als auch in Form sehr konkreter Zeichnungen. Es sei ihm gegönnt, dabei der Wirkung wegen dieses oder jenes auszuschmücken. Er bleibt dabei aber im Großen und Ganzen in den Grenzen der historischen Erkenntnisse. Sein Strich ist detailliert, sehr fein und die Hintergründe sind allermeistens üppig und bis ins Kleinste gezeichnet. Die Kolorierung ist sehr abwechslungs- und facettenreich.

Eine umfangreiche Erzählung inmitten riesiger Kakteen und Maisfeldern, unwegsamen Wäldern und tristen Wüstengegenden; inmitten von rätselhaften Morden an Kindern eine Detektivgeschichte; und inmitten von doch schon recht kultivierten sozialen Strukturen und Sitten (wenn man mal von den Opfern absieht) eine interessante Story um eigenartige Verbrechen. Visuell von großer Ausdruckskraft und erzählerisch sehr unterhaltend und spannend umgesetzt!

Schlange und Speer 1 - Schatten-Berg

Text und Zeichnungen: Hub
184 Seiten
Splitter
35,00 Euro

Autor: Rolf Pressburger