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17.07.2019

"Der kleine Gallier": Marcel Uderzo

Uderzos Serie „Mathias erzählt“ hat bei Salleck eine neue verlegerische Heimat gefunden

"Der kleine Gallier": Marcel Uderzo - Uderzos Serie „Mathias erzählt“ hat bei Salleck eine neue verlegerische Heimat gefunden

Obwohl bereits mehr als drei Dutzend Comic-Alben zum beachtlichen Werk des Zeichners Marcel Uderzo gehören und diese zeichnerisch durchaus bemerkenswert sind, konnte dieser nie aus dem übermächtigen Schatten seines älteren Bruders und Asterix-Zeichners Albert Uderzo heraustreten.

Bezeichnend ist die geringe Anzahl der in Deutschland erschienenen Alben. Lediglich fünf Alben sind bisher in deutscher Sprache von verschiedenen Verlagen   publiziert worden. Dazu zählen „Matti erzählt“ (3 Alben), „Der rote Tod“ und der Comic über das Leben des letzten Österreichischen Kaisers Karl I. Neben Comic-Arbeiten für Verlage lieferte Uderzo während seiner langen Schaffenszeit auch immer wieder Arbeiten für die Werbung ab.

Aktuell hat Uderzos Serie „Mathias erzählt“ bei Salleck eine neue verlegerische Heimat gefunden. Erschienen sind bisher zwei Bände (Die Zaubertrommel + Die Irokesenmaske).

Marcel Uderzo wurde am 20. Dezember 1933 in Clichy-sous-Bois nahe Paris geboren. Marcel ist das jüngste Kind der aus Italien stammenden Eltern Silvio Uderzo und Iria Crestini. Im Jahre 1938 zog die Familie ins das 11. Arrondissement von Paris in die Rue de Montreuil. Nach dem Verlassen der Schule lernte er bei seinem Vater das anspruchsvolle Handwerk des Musikinstrumentenbauers.  

Im Jahr 1964 änderten sich die beruflichen Perspektiven für Marcel, denn sein Vater dachte über den Ruhestand und in diesem Rahmen über den Verkauf des Familienbetriebs nach. Diese Überlegungen führten dazu, dass sich Marcel beruflich neu orientieren musste und sich, wie sein älterer Bruder Albert, der magischen Welt der Comics zuwandte. Er hatte weder eine Kunstschule noch eine grafische Ausbildung absolviert und erlernte das Comic-Handwerk autodidaktisch.

Der Weg in das Comic-Geschäft war durch die Verbindungen seines Bruders Albert nahe liegend. In Abstimmung mit Albert arbeitete er zunächst übergangsweise in Teilzeit weiterhin in der väterlichen Werkstatt an der Fertigung von Gitarren, während er gleichzeitig in das Comic-Handwerk eingewiesen wurde und an den Comic-Seiten der Fliegerserie Tanguy & Laverdure mitarbeitete. Und da das Talent zum Zeichnen in der Familie Uderzo offensichtlich nicht nur Albert vorbehalten war, übertrug der berühmte Bruder nach einer Einarbeitungszeit schließlich Marcel auch Aufgaben bei der Gestaltung der Asterix-Comic-Seiten. Außerdem arbeitete Marcel an diversen Asterix-Merchandise-Produkten für die Firma Dargaud.

Ab September 1967 war Marcel dann vollständig für seinen Bruder Albert in dessen Haus in Neuilly tätig. Dort war er u. a. für die Kolorierung der Asterix-Alben zuständig, setzte aber gleichzeitig auch seine Arbeit an den Abenteuern von Tanguy & Laverdure fort. Da Albert Uderzo die Serie inzwischen beendet hatte, war Marcel als Assistent für den belgischen Zeichner Jijé bis Februar 1972 tätig.

Seine Mitarbeit an Asterix dauert mehr als zehn Jahre. Interessante Randnotiz: „Die 12 Prüfungen für Asterix“, eine 27 Seiten umfassende Comic-Fassung des Films „Asterix erobert Rom“, wurde von Marcel Uderzo gezeichnet und erschien in Deutschland in der Comixene (24-29). Auch die Kurzgeschichte „Die Antiquitätenhändler“ (4 Seiten) soll aus der Feder von Marcel stammen und erschien in Deutschland in dem Sonderband „Gallische Geschichten“. Möglicherweise werden beide Geschichten daher von Albert Uderzo nicht mehr zur Veröffentlichung freigegeben.

1980 begann Marcel mit der Arbeit an den Zeichnungen für seine erste eigene Serie in der Welt der Comics. In den anschließenden fünf Jahren (1981-1985) entstanden in einem Semi-Funny-Stil drei grandiose Alben mit dem Helden „Matthias“ für die Edition Delachaux und Niestlé, die vom Szenaristen Moloch (das ist Michel Clatigny) geschrieben wurden. Alle drei Alben sind in deutscher Sprache erschienen. Die ersten beiden Bände wurden bei Ehapa unter dem Titel „Matti erzählt: Die Zaubertrommel“ bzw. „Matti erzählt: Die Magische Maske“ veröffentlicht. Der dritte Band wurde von Arboris unter dem Titel „Die Abenteuer von Matthias: Die Götter des Sees“ publiziert.

Aktuell liegen bisher die ersten beiden Alben der Serie in einer sehr schönen Neuedition bei Salleck Publications vor.

Die Zeichnungen sind meisterhaft, die Handlung spannend und abenteuerlich. Die Abenteuer erinnern stilistisch sehr stark an Umpah-Pah und Asterix, und stehen diesen in Wortwitz und Zeichenstil in nichts nach. Natürlich merkt man, dass Marcel Uderzo sich sehr gut mit den Comics seines Bruders auskennt. So gibt es nicht nur ein Bankett auf dem Hof von Matthias, auch die kuriosen Namen sind den Fans nicht unbekannt, die Optik der Figuren vertraut.

Worum geht es in „Mathias erzählt“? Wir befinden uns in Frankreich, ungefähr um 1816. Nein, natürlich ist Gallien schon lange nicht mehr von den Römern besetzt. Napoleons Kaiserreich ist gerade zusammengebrochen. Ein bisschen Abseits von einem friedlichen Dorf in der Normandie liegt das Haus des scheinbar wunderlichen alten Mathias, den die Dorfbewohner recht misstrauisch beobachten. Das hält die drei Freund Norbert, Anton und Bastian jedoch nicht davon ab, zum Haus von Matthias zu gehen. Doch keiner traut sich so richtig, das Grundstück zu betreten. Der entstehende Streit, wer denn wohl nun zuerst geht, ruft den alten Herrn auf den Plan. Dieser entpuppt sich als netter alter Zeitgenosse, der die drei Jungspunde zu sich ins Haus einlädt und sich über deren Gesellschaft freut. Als junger Mann hat er bereits schon einmal in dem Dorf gelebt, und damit beginnt die erste von drei tollen Geschichtsstunden.

In seinen jungen Jahren verließ Matthias die Heimat, um die weite Welt kennen zu lernen und so verschlug es ihn mehr per Zufall in die französischen Siedlungen nach Kanada.

Alle Geschichten sind in sich abgeschlossen und haben die gleiche Location: die damals bekannte Neue Welt in Nordamerika. Die wichtigsten Protagonisten sind Matti und seine Weggefährten einschließlich Bär Titan, eine Bande Bösewichter nebst Obergauner Malaria, englische und französische Soldaten sowie diverse Indianerstämme und Trapper.

Wie historisch belegt, sind Engländer und Franzosen in der Neuen Welt bei ihrem Streben nach Vormachtstellung ständig darauf aus, sich gegenseitig durch kleinere Scharmützel eins auszuwischen. Und darum kommen diese sich auch wiederholt in die Quere, wenn es um einen Schatz, eine Magische Maske oder eine Zaubertrommel geht.

Mathias erzählt bei PPM

Leseprobe zu Band 1

von Michael Hüster
Stichwörter: Salleck

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